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Presseartikelbibliothek

BUCHZEICHEN

Buchzeichen GmbH
Marktgasse 27
4900 Langenthal
Tel/Fax:  +41 62 922 24 08
Web:  www.buch-zeichen.ch
Mail:  buch@buch-zeichen.ch

Öffnungszeiten:

 

Montag:

13:30 - 18:30

Dienstag bis Donnerstag

8:30 - 12:00
13:30 - 18:30

Freitag:

8:30 - 12:00
13:30 - 21:00

Samstag:

8:30 - 16:00

Lesend ausgestellt: «Ach, die lebt ja!»

(Berner Zeitung)

Mein Lesezimmer ist klein, voll gestopft mit einem bequemen Ledersofa und unzähligen Büchern. Das breite Fenster blickt auf die Stände des Langenthaler Wochenmarkts. Ich nehme drei Bücher vom Gestell für Erwachsene, einen Gedichtband und zwei Romane, und mache es mir auf dem Sofa bequem.

Im Hintergrund ist ein Kommen und Gehen. Eine Frau sucht ein Kinderbuch, eine andere ist begeistert von einem Roman, der sie an ihre Kindheit erinnert. Eine dritte erzählt eine Geschichte aus ihrem Leben.

Zum 10-Jahr-Jubiläum hat sich das Langenthaler «Buchzeichen»-Team etwas Besonderes ausgedacht. Mit einem Flyer lud es alle Erst- bis Zehntklässler Langenthals ein, eine Stunde lesend im Schaufenster der Buchhandlung zu verbringen. Eltern und Lehrerschaft reagierten durchwegs positiv: «So kommt auch mal etwas den Kindern zugute.» Denn wer eine Stunde im Schaufenster gelesen hat, darf «sein» Buch als Lohn mit nach Hause nehmen.

Ich vertiefe mich in die Gedichte von Hilde Domin; mein Blick schweift aber immer wieder über den Buchrand hinaus auf die Strasse. Eine junge Frau mit einer grossen Lockenpracht schenkt mir ein bezauberndes Lächeln.

Ein älterer Mann bleibt stehen und starrt mich an. Als ich ihm zulächle, meint er erleichtert: «Ach, die lebt ja!» Ein kleiner Junge betrachtet die ausgestellten Bilderbücher und klopft gedankenverloren an die Scheibe. Als er meinen Blick einfängt, zuckt er erschrocken zusammen. Sein Gesicht verzieht sich, als wolle er weinen.

Bis vor zehn Jahren hiess der Bücherladen an der oberen Marktgasse Evangelische Buchhandlung. 1997 gründeten Marianne Zürcher, gelernte Buchhändlerin, Ursula Kessler, Primarlehrerin, und Käthi Widmer, Pflegefachfrau, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung und übernahmen das gesamte Inventar. Am 1.März 1997 eröffneten sie die Buchhandlung unter dem Namen «Buchzeichen». Ende 1998 kam die Vierte im Bunde dazu, die Bank- und Werbefachfrau Iris Jäggi. Alle vier arbeiteten nicht nur in der Buchhandlung, sondern waren auch Familienfrauen.

Ich lese mich in die beiden Romane ein und hole ein weiteres Buch vom Gestell. Doch als meine Stunde abläuft, ist klar: Ich bleibe beim Gedichtband von Hilde Domin. Obwohl ich mich immer wieder von Draussen ablenken liess, hat sie mich am meisten gefesselt.

Das «Buchzeichen»-Team setzte nach der Übernahme vermehrt auf allgemeine Literatur, behielt aber den christlichen Bereich bei. Ein wichtiges Segment bildet die Kinder- und Jugendliteratur. Und sie kommt beim «Lesen im Schaufenster» voll zum Zug.

«Es sind vor allem Neun- bis Zwölfjährige, die sich in die Liste eingetragen haben» erklärt Käthi Widmer. «Die Älteren scheuen sich, ins Schaufenster zu sitzen.» Auch Erwachsene seien willkommen, vor allem in den weniger besetzten Vormittags- und Abendstunden.

Regenböen fegen über die Marktgasse und bringen die Plachen der Stände zum Flattern. Ich drücke «mein» Buch schützend an mich und mache mich auf den Heimweg. Mein Lesezimmer bleibt in der nächsten Stunde leer.

Prisca Rotzler Köhli Anmeldung zum «Lesen im Schaufenster» direkt im «Buchzeichen» in Langenthal. Die Aktion dauert bis zum 2. Juni 2007.